must-have: Objektiv

In der Serie “must-have” geht es darum, was ein People-Fotograf unbedingt an Ausrüstung braucht oder zumindest haben sollte – vor allem, wenn er gerade einsteigt, aber große Ambitionen hat. Zunächst lege ich den Schwerpunkt dabei auf Studiofotografie, erweitere das aber im Folgenden vielleicht noch um andere Einsatzgebiete. Das das alles aus meiner eigenen Sicht ist und Ihr/wir gerne in den Kommentaren darüber diskutieren können, dürfte klar sein. icon wink must have: Objektiv

IMG 2438 350x350 must have: ObjektivIn den letzten Tagen bekam ich per E-Mail einige Fragen zu Objektiven. Spätestens das war die Erinnerung, was in der “must-have”-Reihe noch fehlt.

Objektive sind in den meisten Fällen nach dem Fotografen und dem Licht das wichtigste Glied in der Bildqualitätskette.

Als Einsteiger tendiert man dazu, vor allem einen möglichst großen und lückenlosen Brennweitenbereich abzudecken – zu einem möglichst geringen Preis.
Die meisten Profis werden mir wohl zustimmen, daß das zwar ein naheliegender, aber kein empfehlenswerter Weg ist.

Denn schnell stellt man fest, dass man vor allem Objektive mit mehr Lichtstärke möchte, um besser mit der fotografischen Unschärfe arbeiten zu können. Schneller Autofokus und natürlich hohe Schärfeausbeute locken ebenso nach besseren Objektiven. Das Ende vom Lied: Früher oder später landet man so oder so bei Profi-Objektiven. Meist hat man da aber schon eine mehr oder minder große Summe in die Amateur-Optiken investiert. Ein unnötiger Umweg.
Spart lieber länger auf Eure Objektive und kauft dann gleich die guten. Das erspart Euch Frustrationen, Kauf-/Verkaufsorgien und letztlich Zeit und Geld.

MG 4044 350x350 must have: ObjektivEntscheidet man sich für hochwertige Objektive, hat man trotzdem noch eine Wahl zu treffen: Festbrennweiten, Zooms oder beides?
Die Wahl ist meist eine sehr persönliche.

Festbrennweiten sind teils günstiger und meist lichtstärker, aber eben auch unflexibler. Sie erfordern mehr Laufarbeit (“Turnschuh-Zoom”) und häufigeren Objektivwechsel. Qualitativ gelten sie als oft besser – der Unterschied zu hochwertigen Zooms ist aber nicht so groß, dass es in der Praxis einen entscheidenden Unterschied macht.

Hier meine ganz persönliche Empfehlung für Peoplefotografen (jeweils bezogen auf das Vollformat, für kleinere Formate einfach umrechnen):

  • Ein (Super)Weitwinkel, zwischen 16 und 24 mm - für Fashion, Innenraumaufnahmen mit wenig Platz, Gruppen
  • Ein Normalobjektiv mit 50 mm (f1,8 oder f1,4) - als sehr preisgünstige, lichtstarke “Allzweckwaffe” und für Portraits eher im Nahbereich
  • Ein Makro mit ca. 90 oder 100 mm – vor allem für Detailaufnahmen und sehr enge Bildschnitte z.B. bei Beauty
  • ein leichtes Tele um 120 oder 130 mm - für Portraits auf mittelgroßem Raum. Es gibt ein paar SEHR scharfe und lichtstarke Optiken in diesem Bereich.
  • ein Tele mit 200 mm - ideal in größeren Studios oder draußen und klasse für Beauty & Portrait wegen der Kompression des Bildinhalts und der vorteilhaften Wiedergabe der Gesichtsgeometrie.
  • ein 1,4-Konverter – damit werden (fast) alle Eure Objektive vielseitiger (für wenig Geld)! (Anmerkung: Die Konverter der Kamerahersteller unterstützen nur wenige Objektive. Die der Dritthersteller wie z.B. Kenko haben diese Einschränkungen nicht, nur EF-S funktioniert auch da nicht.)

Man merkt schon, dass Zooms die Flexibilität hier erhöhen. So könnte man eine “Standardbrennweite” kaufen, z.B. ein 24-70 mm (f2,8) oder ein 24-105 mm (f4,0). Dazu ein 70-200 mm. Optional käme noch ein Superweitwinkelzoom (wie ein 16-35 mm) in Frage. Das Makro (für Beautyshots) und den Konverter (für noch mehr Flexibilität) sind aber auch hier sehr sinnvolle Erweiterungen.

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Möchte man also möglichst flexibel einsteigen, ohne zu viele Objektive zu haben, macht am Anfang vor allem die Kombination 24-70 (oder 24-105) und 70-200 Sinn.
Bei letzterem bevorzuge ich selbst übrigens die Variante mit Blende 4,0 (falls für Eure Kamera verfügbar) gegenüber der mit f2,8. Sie ist wesentlich günstiger, leichter und kleiner. Der Unterschied in der Bildwirkung zwischen f4,0 und f2,8 rechtfertigt für mich nicht die Nachteile.

Bei Festbrennweiten sollten es dann schon zumindest 3 sein: Ein Weitwinkel (35mm oder weniger), ein Normalojektiv und ein leichtes Tele.

Es soll noch günstiger sein am Anfang? Nur 1 Objektiv? OK, dann wählt entweder das Multitalent 50mm (mit einem Konverter wird’s noch flexibler) oder ein 70-200. Die Perspektive, die dieses Objektiv bietet, ist schmeichelhafter für Menschen und die detaillastige Perspektive, die sich damit oft ergibt, schärft Euer “selektives Auge”.

Wie sieht das bei Euch aus? Was sind Eure bevorzugten Brennweiten / Objektiven und würdet Ihr eine andere Zusammenstellung wählen?