Bildrechte und warum es keine gibt

WICHTIG: Auf diesen Artikel darf gern mit Hinweis auf den Autor verlinkt (und ggf. zusammengefasst) werden, Abschriften und Auszüge dürfen jedoch nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung veröffentlicht werden. Dazu bitte […]

WICHTIG: Auf diesen Artikel darf gern mit Hinweis auf den Autor verlinkt (und ggf. zusammengefasst) werden, Abschriften und Auszüge dürfen jedoch nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung veröffentlicht werden. Dazu bitte einfach anfragen.

Hinweis: Es handelt sich hier um eine an die Allgemeinheit gewandte Erörterung gewisser Gesetze und Rechtsbegriffe durch einen Nicht-Juristen.

Ich lese es immer wieder, entweder in Foren oder sozialen Plattformen oder gar in im Internet veröffentlichten „Model Releases“ / „TfP-Verträgen“. Da wird mit dem Begriff „Bildrechte“ um sich geworfen oder Formulierungen verwandt wie „Die Bildrechte werden zwischen dem Fotografen und dem Modell gleichmäßig aufgeteilt.“
Wir ignorieren jetzt mal, dass ich es mir nicht vorstellen kann, wie man ein Recht „aufteilt“, außer man zerreisst Gesetzbuchseiten.
Das Problem an diesen Verträgen und Formulierungen ist: Sie sind nonsens. Unsinn. Blödsinn. Quatsch.
Denn: Es gibt gar keine Bildrechte. Kein Gesetzbuch sieht diesen Begriff vor. Dazu kommt: gleiche Rechte zwischen Modell und Fotograf sind nach dem deutschen Gesetz schlicht unmöglich. Wir reden hier nämlich genaugenommen von 3 verschiedenen „Rechten“, die alle unterschiedliche ausgeprägt sind, verschiedene Merkmale haben und irgendwie mehr oder minder zusammentreffen, wenn es ein Personen-Fotoshooting gibt.

Richtig ist: Das Modell hat das Recht am eigenen Bild, der Fotograf hat an der Aufnahme Urheberrechte.
Damit nun der Fotograf die Bilder veröffentlichen oder jemand anderem die Veröffentlichung möglich machen kann, muß das Modell auf sein Recht verzichten bzw. eine Genehmigung zur Veröffentlichung erteilen.
Umgekehrt hat der Fotograf dann durch sein Urheberrecht die Möglichkeit, anderen außer ihm selbst die Veröffentlichung – nach seinen Vorgaben und ggf. Einschränkungen – zu erlauben. Ein solches Nutzunsgrecht braucht auch das Modell, sonst darf auch dieses KEINE Bilder veröffentlichen!

Die Rechte etwas genauer erklärt:

  1. Urheberrechte (nach dem namensgebenden UrhG – Urheberrechtsgesetz)Urheberrechte erwirbt man mit der Schaffung eines entsprechend geschützten Werkes, oder für uns vereinfacht gesagt: mit dem Abdrücken des Auslösers und Anfertigen des Fotos. Diese Rechte sind in Deutschland
    • nicht übertragbar
    • damit auch nicht verkäuflich
    • fest mit dem Urheber verbunden bis zu seinem Tod und eine gewisse Zeit darüber hinaus (bzw. gehen sie dann für einen festen Zeitraum auf die Erben über).
    • Geregelt darin sind u.a. die Recht/Pflicht auf Namensnennung (§13), der Schutz des geistigen Eigentums (Schutz vor „Plagiaten“, §2), der Schutz vor Bearbeitungen (u.a. §23), sowie die Verwertungs- und Nutzungsrechte.
    • Ohne explizit eingeräumte Nutzungsrechte (s.u.) darf NIEMAND außer dem Urheber die Aufnahmen für irgendetwas verwenden. Das gilt auch für das Modell.

    Recht am eigenen Bild - ©MiGel

  2. Das Recht am eigenen Bild / Bildnisrecht (vor allem aus §22 KunstUrhG – Kunsturheberrechtsgesetz) besitzt jede Person als Teil der Persönlichkeitsrechte.
    • Der Abgebildete darf bestimmen, ob Bilder von ihm zur Schau gestellt / veröffentlicht werden dürfen.
    • Das Recht bezieht sich in allererster Linie auf Veröffentlichungen, das Anfertigen der Aufnahme ist auch ohne Genehmigung nicht automatisch verboten (Ausnahme: §201a StGB).
    • Im Gegensatz zu Nutzungsrechten sieht das Bildnisrecht nicht explizit eine zeitliche und räumliche Einschränkung der Zustimmung vor, weshalb in der Praxis i.d.R. einfach der Verzicht auf das Recht am eigenen Bild formuliert ist.
    • §23 listet Ausnahmen auf, in denen Aufnahmen auch ohne Genehmigung veröffentlicht werden dürfen. Eine Regelung wie „über 5 Personen ist es eine Gruppenaufnahme und damit genehmigungsfrei“, wie oft irrtümlich verbreitet, gibt es nicht!
    • Bei Verzicht auf die Rechte / Abgabe einer Genehmigung ist i.d.R. nur ein Widerruf aus „gewandelter Überzeugung“ (analog zu §42 UrhG) möglich, was in der Praxis schwer durchzusetzen ist.

     

  3. Nutzungsrechte (§§31 – 44 UrhG)
    • Der Urheber kann Nutzungsrechte vergeben.
    • Nutzungsrechte können praktisch beliebig genau definiert und eingeschränkt werden – zeitlich, räumlich, inhaltlich.
    • Unterschieden wird zwischen „einfachem“ und „ausschließlichem“ Nutzungsrecht. „Ausschließlich“ kann man als „exklusiv“ verstehen. Genutzt werden darf das Bild dann nur von diesem Rechteinhaber und ggf. dem Urheber selbst (nach Vereinbarung). Wer dieses Recht eingeräumt bekommt, kann außerdem anderen Nutzungsrechte vergeben. Jedoch:
    • Ein Nutzungsrecht kann nur mit Zustimmung des Urhebers übertragen werden.
    • Die Nennung des Urhebers (§13) ist, wenn nicht explizit anders vereinbart, ein Recht auf das der Urheber bestehen kann und sollte! Eine Nichtnennung ist für den Nutzer i.d.R. kosten- bzw. aufpreispflichtig.

Ganz anders sieht es in anderen Ländern aus. In den USA haben Urheber beispielsweise das „Copyright“, das durchaus übertragbar und verkäuflich ist. In England ist das Recht am eigenen Bild sehr stark eingeschränkt bzw. nicht vorhanden, sobald man sich im öffentlichen Raum (=außerhalb der eigenen Wohnung) befindet.

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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