Fashion: Nicht nur Mädels in Klamotten

Vor einigen Jahren noch war „Fashion-Fotografie“ eher ein Nischen-Thema auf dem nicht-professionellen Markt. Das lag vor allem an den recht hohen logistischen Anforderungen – denn viel muß organisiert und geplant […]

Vor einigen Jahren noch war „Fashion-Fotografie“ eher ein Nischen-Thema auf dem nicht-professionellen Markt. Das lag vor allem an den recht hohen logistischen Anforderungen – denn viel muß organisiert und geplant sein – und der eigentlich recht klar kommerziellen Ausrichtung dieses Aufnahmebereichs.

Dann aber kam der Begriff auch in der Amateurfototografie „in Mode“ (haha!), suggerierte zunächst hochwertigere Shootings mit Ergebnissen, wie man sie in vielen Hochglanz-Magazinen findet. Das erregte vor allem bei (Hobby-)Modellen Interesse und zog dadurch auch wieder mehr Anbieter (also Fotografen) an.
Umso mehr sich das Thema im Hobby-Bereich etablierte, umso mehr wurde aber auch der eigentliche Begriff und seine Bedeutung verwässert.
Mit großer Regelmäßigkeit sehe ich Bilder, die am ehesten der Beschreibung „Fotos von bekleideten Menschen“ entsprechen. Viele davon sind eher dem Bereich Portrait zuzuordnen (Porträt sagt nichts über den BildSCHNITT aus!), öfter passt aber auch das nicht.

Ich möchte deshalb einmal 3 Kernkriterien auflisten, die aus meiner Sicht und Erfahrung ein „klassisches“ Modebild ausmachen.

  1. Das richtige Model. Ein Fashion-Model ist tendenziell groß bis sehr groß und schlank. Bei Frauen sind große Brüste und Kurven eher nicht gefragt. Ein etwas „ungewöhnlicher“ Look (je nach Thema und Zeitpunkt z.B. androgyn, nordisch, osteuropäisch…) ist oft gesucht, nicht das nette Mädchen von nebenan. Ein Fashion-Model muß Körperspannung und -bewußtsein mitbringen, Posen und Mimik sind oft deutlich „überzogener“ (betont lässig / arrogant / obszön / unbequem etc.) als in anderen Aufnahmebereichen.
  2. Die Kleidung. Um ein interessantes Fashion-Foto zu gestalten, braucht es nicht immer zwingend Designer-Kleidung. Viele Stylisten statten bei Shootings (z.B. für Magazine) die Modelle durchaus auch mit Stücken aus, die aus großen Modeketten wie H&M und Zara stammen. Allerdings werden diese oft mit hochwertigen Stücken kombiniert und entscheidend ist immer ein Stilbewußtsein. Ein Outfit braucht ein Thema/einen Leitfaden und eine gewisse Aktualität (auch „Retro“ kann dabei ein Trend sein, muß aber bewußt und konsequent umgesetzt sein).
  3. Die Herangehensweise / Ausrichtung. Als Untergruppe der kommerziellen Fotografie „verkauft“ ein Modefoto etwas. Wesentlicher Bildinhalt ist nicht das Model und seine Persönlichkeit, sondern eines oder mehrere Produkte (Kleidungsstücke, Accessoires…). Das erfordert vom Fotografen ein anderes Bewußtsein bei der Gestaltung des Bildes und bestimmt auch Dinge wie die Positionierung von Elementen beim Bildaufbau, Perspektive etc.
    Die andere Möglichkeit – für wirklich Fortgeschrittene – ist die Repräsentation und Erzeugung eines Images bzw. einer Stimmung. Auch hier ist nicht das Einfangen des Model-Charakters die wichtigste Aufgabe, sondern das Erzeugen und Illustrieren der gewünschten Stimmung.

Was sind Deine bevorzugten Aufnahmebereiche? Was fasziniert Dich gerade daran? Weißt Du, was diesen Bereich ausmacht?
Und… WER BIST DU ÜBERHAUPT!?

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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